
KI in der Kanzlei: Welche IT-Skills sind die wichtigsten?
Künstliche Intelligenz entlastet dank Automatisierung viele Prozesse in der Steuerkanzlei. Wenn Mitarbeitende die Möglichkeit haben, wichtige IT-Skills auszubauen, profitieren alle.
Inhaltsverzeichnis
Teil 16 unserer Serie über die Möglichkeiten und Herausforderungen, die der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Ihrer Steuerkanzlei mit sich bringt. Diesmal geht es um IT-Skills, deren Ausbau für Mitarbeitende und Kanzleien sinnvoll und immer wichtiger wird. Denn KI übernimmt zwar viele Abläufe, wird aber nie ein Allheilmittel gegen Fachkräftemangel sein: Die Situation ist komplexer, auch wenn Automatisierungen und Digitalisierung eine große Entlastung darstellen können.
IT-Skills für Steuerkanzleien: KI-Kompetenz als ein Baustein von mehreren
KI und ihre Möglichkeiten sind großartig: Digital selbstbuchende Mandate entlasten Kanzleien und geben Potenziale für Unternehmensberatung frei, Automatisierungen übernehmen lästige Routineaufgaben und Daten lassen sich mit wenigen Klicks umfassend auswerten. Eingebettet sind die Möglichkeiten der KI allerdings immer in den Rahmen, der in der jeweiligen Kanzlei möglich ist. Das Mindset des Inhabers, die vorhandene Technologie und nicht zuletzt die Fortbildungsbereitschaft emtscheiden darüber, wie gut das vorhandene Potenzial genutzt wird.
Zukunftsfähige Kanzleien setzen immer noch auf steuerfachliche Expertise, bauen parallel technologische Kompetenzen auf und sorgen dafür, dass weitere IT-Skills vorhanden sind, wo es um Schlüsselrollen geht. Nicht jeder Mitarbeitende muss programmieren oder prompten und Agenten aufsetzen können. Aber alle sollten ein gemeinsames Verständnis der digitalen Kanzleistrategie haben und wissen, wer wann was umsetzen (oder erlernen) kann: Fachkräfte müssen digitale Werkzeuge sicher anwenden können, die Ergebnisse prüfen und eventuelle Risiken erkennen.
Fünf wichtige IT-Skills: 1. Datenkompetenz und Datenqualität
Wer mit sensiblen, geschäftskritischen Daten wie Buchhaltungsdaten, Lohn, Steuererklärungen, betriebswirtschaftlichen Auswertungen und Planungsdaten arbeitet, muss diese strukturiert, plausibilisiert und zielgerichtet auswerten.
Es ist daher sehr wichtig, unabhängig von den verwendeten Systemen, dass Steuerfachangestellte Datenquellen und Datenflüsse verstehen, Stammdaten ordentlich pflegen und in der Lage sind, Fehler zu erkennen. Kennzahlen müssen nicht nur visualisiert und präsentiert, sondern tatsächlich verstanden werden. Saubere Daten bilden die Grundlage für automatisierte Prozesse, zuverlässige KI-Ergebnisse und vorausschauende Beratung. Am Ende entscheidet der Mensch über die Qualität, nicht die Wahl der Software.
2. KI-Kompetenz und Prompting
Mails beantworten, Marketing und Fachkräftesuche stützen, Recherche und Wissensaufbereitung bis hin zur Unterstützung bei Dokumentation, Prozessbeschreibungen und internen Schulungen: KI-Kompetenz heißt, wirklich geeignete sinnvolle Anwendungsfälle zu identifizieren und präzise zielführende Prompts zu formulieren.
Die anschließende fachliche Prüfung, Anpassung an den konkreten Sachverhalt und die Freigabe bleiben zwingend „menschliche“ Aufgaben. Dazu gehört auch, die KI-Einsätze zu dokumentieren und die Nutzung in Prozesse einzubetten, vertrauliche Daten zu schützen und merken, wenn etwas nicht stimmt oder die KI halluzinniert.
3. Cybersecurity und Datenschutz
Leider sind Steuerkanzleien für Cyberangriffe sehr attraktive Ziele. Ein kompromittiertes E-Mail-Postfach, ein ungehinderter Phishing-Angriff oder eine ungesicherte Cloud-Freigabe können das Mandantenvertrauen und die berufsrechtliche Verantwortung erheblich beeinträchtigen. Daher ist es von großer Wichtigkeit, dass Kanzleimitarbeitende erkennen können, wenn betrügerische Aktivitäten auftauchen und verantwortungsvoll mit Daten umgehen.
Jede Kanzlei sollte außerdem über einen Prozess für Cybersecurity-Probleme verfügen, eine Kommunikationsrichtlinie und informierte Ansprechpartner. Cybersicherheit ist nicht nuz Aufgabe der IT-Abteilung allein. Jede Person in der Kanzlei verarbeitet potenziell sensible Daten und benötigt deshalb ein belastbares Sicherheitsbewusstsein.
4. Prozessautomatisierung und Schnittstellenverständnis
Mitarbeitende sollten verstehen, wie Systeme zusammenarbeiten und an welchen Stellen Medienbrüche entstehen können und wie sie sich vermeiden lassen. Das beginnt damit, wiederkehrende Prozesse zu identifizieren und zu standardisieren und mögliche Schnittstellen zu kennen und zu verstehen. Nur wer Automatisierungspotenziale erkennen und einschätzen kann, ist dann auch in der Lage, Ausnahmen festzulegen und zu wissen, wo Kontrollpunkte besonders wichtig sind.
Ziel ist nicht Automatisierung um jeden Preis, sondern immer ein Prozess, der nicht nur schneller, sondern auch nachvollziehbarer und wesentlich weniger fehleranfällig durchläuft und Menschen konkret entlastet.
5. Cloud- und Kollaborationskompetenz
Zum Glück und Komfort von Kanzleien und Mandanten ist es längst normal, standortunabhängig in der Cloud zu arbeiten. Doch nur, weil die meisten Anwendungen intuitiv bedienbar sind, kommen sie noch lange nicht ohne Regeln aus, denn eine gute Ablage- und Wiederfindestruktur ist so wichtig wie gut durchdachte Berechtigungen und Admin-Funktionen.
Kompetenzen in Versionskontrolle und nachvollziehbarer Zusammenarbeit, Freigaben und Aufgabenmanagement und ein Verständnis für Rechte- und Rollenkonzepte ist wesentlich, damit alles klappt – spätestens wenn Mandate oder Kanzlei auf Wachstumskurs sind und immer mehr Informationen hinzukommen. Eine zukunftsfähige Kanzlei benötigt eine klare digitale Arbeitsumgebung: definierte Ablageorte, verbindliche Kommunikationswege, transparente Zuständigkeiten und sichere Zugriffe.


KI ist ein Baustein von mehreren: Warum IT-Skills 2026 so wichtig sind
Güncem Campagna ist Geschäftsführerin des gemeinnützigen Bildungsunternehmens tech & teach, Speakerin und Expertin für Future Skills. Sie engagiert sich für die Entwicklung und Vermittlung von Zukunftskompetenzen, die Menschen befähigen, die digitale und gesellschaftliche Transformation aktiv mitzugestalten. Ihre Schwerpunkte liegen auf Future Skills, KI-Kompetenz, Digital Wellbeing, Chancengerechtigkeit und innovativen Bildungsformaten für unterschiedliche Zielgruppen. Auf unsere Frage, welche IT-Skills die wichtigsten sind, ob es KI-Kompetenzen sind, antwortete Güncem:
„Auch in der Steuerbranche sind Arbeitsplätze vom Kulturwandel betroffen. Jetzt alleine auf Automatisierung durch KI zu setzen und den ganzen Rest zu vernachlässigen, würde heißen, wertvolles Potenzial zu verschenken. Wer heute beruflich relevant bleiben möchte, braucht die richtigen Skills. Es geht nicht darum, jedem neuen Hype hinterherzulaufen: Gefragt ist ein belastbarer Skill-Mix – ein „Skill-Stack“ der wichtigsten Kompetenzen als Lern- und Entwicklungskompass.
IT-Skills 2026/2027 sind also kein starres Set einzelner Tools, sondern die Kombination aus KI-Kompetenz, Datenverständnis, Programmierung, Cloud- und Systemarchitektur, Cybersecurity, Automatisierung und Lernfähigkeit.
Diese Skills passen zu den deutschen Arbeitsmarktdaten, zur schnellen Verbreitung generativer KI in Betrieben, zur angespannten Cyberlage und zu internationalen Skill-Prognosen. Eine Steuerkanzlei braucht nicht immer wieder das neuste Tool, sondern Menschen, die digitale Technologien grundsätzlich verstehen, sinnvoll anwenden, kritisch prüfen und in echte Lösungen übersetzen.“

Noch eine wichtige Kompetenz: Technologiepartner finden, die Ihren Bedarf kennen
Als Lexware Office Steuerberater-Team mit Kanzleibetreuern und IT-Experten sind wir seit über zehn Jahren im digitalen Wandel an Ihrer Seite. Wir wissen, was Steuerberatende und Steuerfachangestellte für einen reibungslosen und erfreulichen Arbeitsalltag brauchen und unterstützen Kanzleien durch unsere Software mit Steuerberaterzugriff, Starthilfen und Info-Webinaren, persönlichen Fragerunden auf Events und sogar ein Zertifizierungsprogramm für Angestellte in Kanzleien.
Denn Kompetenz heißt nicht, dass Sie alles wissen müssen. Es reicht, wenn Sie wissen, wer Ihnen zielführend weiterhelfen kann. Sehen wir uns auf LinkedIn?
Die Serie: KI in der Steuerkanzlei
Teil 1: Effizienz und das Ende der Belegstapel
Teil 2: Optimal unterstützte Kanzleiführung
Teil 3: Marketing und Mandantenkommunikation
Teil 4: Beratung, Fehlervermeidung und Strategie
Teil 5: Faktor Mensch: Worauf es wirklich ankommt
Teil 6: KI in der Kanzlei: Human in the Loop
Teil 7: Künstliche Intelligenz und Ethik
Teil 8: Der „European AI Act“ und KI in der Steuerkqnzlei
Teil 9: Kennzeichnungspflicht für KI-Inhalte – angstfrei arbeiten
Teil 10: KI in der Steuerkanzlei: Künstliche Intelligenz im Recruiting
Teil 11: Künstliche Intelligenz und neue Karrierewege durch Spezialisierung
Teil 12: Wie weit ist die Durchsetzung der KI Verordnung?
Teil 13: Gefunden werden als digitaler Arbeitgeber
Teil 14: Human in the Lead AND in the Loop
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