
KI in der Steuerkanzlei: Künstliche Intelligenz und Ethik
KI-Ethik als Skillset, das in Steuerkanzleien immer wichtiger wird
Inhaltsverzeichnis
Teil 7 unserer Serie über die Möglichkeiten und Situationen, die der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Ihrer Steuerkanzlei mit sich bringt. "Ki-Ethik" ist ein Thema, in dem wir uns zukünftig auch im Kanzleialltag vermehrt beschäftigen müssen. Denn so praktisch und umfangreich die Anwendungen im Bereich Künstlicher Intelligenz auch sind, grenzenlos und ungehemmt sollten sie nicht eingesetzt werden - aus diversen Gründen.
Künstliche Intelligenz und Ethik – eine wachsende Herausforderung
Die ganze Steuerbranche durchläuft durch KI einen erneuten tiefgreifenden Wandel. Automatisierte Belegverarbeitung und deshalb selbst buchende Mandate, Auswertungen, Prognosen und Analysen, zahlreiche digitale Erleichterungen:
KI-Systeme übernehmen mit großer Selbstverständlichkeit viele Aufgaben, die bislang ausschließlich Menschen vorbehalten waren. Damit stellt sich die Frage der KI-Ethik: Der verantwortungsvollen, fairen und transparenten Nutzung von KI, wann immer sie zum Einsatz kommt.
Definition KI-Etik zum heutigen Stand
Die KI-Ethik befasst sich mit moralischen, rechtlichen und gesellschaftlichen Implikationen von KI-Anwendungen und soll sicherstellen, dass Systeme mit Anwendungen der Künstlichen Intelligenz
- gerechte Entscheidungen treffen (Vermeidung von Diskriminierung und Bevormundung),
- transparent und nachvollziehbar vorgehen (Erklärbarkeit von Entscheidungen),
- sicher und belastbar handeln (Schutz vor Manipulation und Datenmissbrauch) und
- Menschenwürde sowie Privatsphäre respektieren sowie generell sensible Daten schützen
Wo sensible Daten von Mandaten verarbeitet werden und Entscheidungen wirtschaftliche oder rechtliche Konsequenzen haben, bleibt die Beschäftigung mit Ethik-Fragen nicht aus, wenn KI im Einsatz ist. Alle Faktoren kann man allerdings bisher nicht beeinflussen, es gibt Grenzen.
Herausforderungen und Grenzen der KI-Ethik in der Steuerkanzlei
Die KI-Algorithmen sind komplex und werden in einem irren Takt weiterentwickelt. Selbst Fachleute können oft nicht nachvollziehen, wie ein KI-Modell zu einer Entscheidung gelangt (das sogenannte „Black-Box“-Problem), das erschwert Sinnprüfungen und Bias-Kontrolle.
Jede künstliche Intelligenz kann außerdem nur mit den Daten arbeiten, die sie bekommt. In geschlossenen Wissenssystemen können unvollständige Trainingsdaten oder solche mit verzerrten Vorgaben (nur Männer, nur mittleren Alters, nur in Großstädten et cetera) zu falschen Risikobewertungen und Benachteiligungen führen.
Experten gehen davon aus, dass nicht einmal ein Viertel des menschlichen Wissens in digitaler Form bereitgestellt wurde bisher, und KI kann nur mit Angaben arbeiten, die auch eingespeist wurden. Rechtliche Rahmenbedingungen werden außerdem wesentlich langsamer weiterentwickelt als die Möglichkeiten, die sich mit KI umsetzen lassen.
Menschliche Entscheidungen bleiben also weiterhin sehr wichtig, ebenso wie „Humans in the Loop“.
Interne Richtlinien helfen, KI-Ethik zu etablieren
Als Führungskraft in der Kanzlei hatten Sie vermutlich schon einiges an Überzeugungsarbeit zu leisten, als die ersten KI-Tools auf den Markt kamen und die Mitarbeitenden zögerlich oder hyperbegeistert reagierten. Der nächste Schritt ist unweigerlich, auch über Ethik zu sprechen und gemeinsam zu überlegen, was zu tun ist:
Schauen Sie sich an, welche Tools wo und wie genutzt werden und wo Ethikfragen auftauchen könnten. Entwickeln Sie klare Richtlinien und auch einen Ablauf und Ansprechpartner, falls sich aktuell oder später Fragen ergeben. Das Konzept sollte regelmäßig aktualisiert und allen zur Verfügung gestellt werden, die mit Künstlicher Intelligenz in der Kanzlei in Berührung kommen.
In diesem Konzept sollte definiert werden, was erlaubt ist und was nicht: Belege dürfen vorerfasst werden, aber wie bei Steuerentscheidungen muss der Vorschlag noch durch Menschen bestätigt werden. Transparenz ist Pflicht, und Datensicherheit ein Dauerbrennerthema: Kanzleien sollten
Dazu wird es in den meisten Fällen auch noch nötig sein, durch KI-Trainings ein Grundwissen zu vermitteln (wie es auch gesetzlich vorgeschrieben ist in Deutschland). Urteilsfähigkeit trainieren, Grundwissen aneignen: Außerdem ist wie immer der zwischenmenschliche Austausch wichtig, wenn Einzelfälle und Fragen besprochen werden können. Grundwissen über KI und ihre Grenzen vermitteln. Auch was im Fall der Fälle geschieht, wenn eine Entscheidung nicht vertretbar ist, sollte bereits im Vorfeld festgelegt werden.
Ausblick: Die Zukunft der KI-Ethik in der Steuerbranche
Wir erleben gerade erst den Anfang dessen, was KI für uns bedeuten wird. Ob ein Chatbot für die Mandantenkommunikation, synchronisierte Prozesse mit Apps und Tools, selbst buchende Mandate oder Controlling-Prognosen: Der Trend wird nie rückläufig sein.
Parallel wird der erwartete regulatorische Rahmen durch den EU AI Act verbindlicher. Damit werden nachvollziehbare, überprüfbare KI-Systeme vorausgesetzt, nicht nur aber insbesondere, wenn sie in datenrisikoreichen Bereichen wie Finanzen oder Steuern eingesetzt werden.
Es ist davon auszugehen, dass ethische Standards ähnlich denen im „herkömmlichen“ Datenschutz entwickelt werden, die verpflichtend und zertifizierbar sind. Steuerberatende werden hier in die Pflicht genommen werden, KI-Ethik ein Teil der modernen Kanzleikultur. All diese Entwicklungen werden immer den Möglichkeiten zeitlich hinterherhinken, sich dem dann anzupassen wird so selbstverständlich werden wie heute die Einhaltung des steuerlichen Berufsgeheimnisses.
Spannende Zeiten für uns alle – und Mitarbeitende mit KI-Skills werden sich nun auch mit KI-Ethik beschäftigen.
Die Serie: KI in der Steuerkanzlei
Teil 1: Effizienz und das Ende der Belegstapel
Teil 2: Optimal unterstützte Kanzleiführung
Teil 3: Marketing und Mandantenkommunikation
Teil 4: Beratung, Fehlervermeidung und Strategie
Teil 5: Faktor Mensch: Worauf es wirklich ankommt
Teil 6: Human in the Loop
Teil 7: Künstliche Intelligenz und Ethik
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